Archiv für März 2012

Ich bevorzuge Kuchen


Es gibt einen Text, zum Thema A_Sexualität und Normen innerhalb queerfeministischer Zusammenhänge, in der aktuellen Ausgabe der Hugs and Kisses… http://www.hugsandkissesonline.de/

Sex-positiv und Asexuell – so viel Sex wie ich will

LGBTSIQQA, diese Buchstabenkombination begegnet mir in queeren Kontexten immer häufiger. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Straight, Intersex, Queer, Questioning, Asexual.
Doch was bedeutet Asexualität eigentlich und was hat sie mit Queerness zu tun?
Asexualität ist eine sexuelle Orientierung. Analog zu anderen sexuellen Orientierungen, die beschreiben wer sich zu wem sexuell hingezogen fühlt, bedeutet Asexualität jemand fühlt keine, oder eine sehr geringe sexuelle Anziehung zu anderen Menschen. Asexuelle sind nicht auf der Suche nach Sexualpartner_innen und es gibt bei ihnen auch keine Verbindung zwischen romantischer Liebe und Sexualität. Allerdings kennen viele asexuellen Menschen sexuelle Erregung, masturbieren, einige haben Sex mit einem Gegenüber, z.b weil sie neugierig auf Sex sind, oder entschieden haben einen Kompromiss einzugehen, um ihre_n sexuellen Partner_in nicht zu verlieren. Manche Asexuelle haben aber auch einfach nie Sex, kennen keine sexuelle Erregung, masturbieren nicht und vermissen auch nichts von all dem.
Asexuell sein bedeutet nicht zwangsläufig, aromantisch zu sein. Romantische Anziehung bezeichnet ein Verlangen nach (nicht sexueller) Intimität und/oder das Bedürfnis eine enge romantische Beziehung einzugehen. Jemand, der_die asexuell ist kann z.B. homoromantisch sein und in einer schwul/lesbischen Liebesbeziehung leben. Andere Menschen wiederum definieren sich als asexuell und aromantisch, fühlen sich also weder sexuell noch romantisch zu anderen Menschen hingezogen, haben intensive Freundschaften, oder sind am allerliebsten mit sich allein.

Asexualität ist also eine sexuelle Orientierung außerhalb der heterosexuellen Norm und es gibt Asexuelle, die in queeren Beziehungen leben. Warum sind sie dann innerhalb Queerer Kontexte so gut wie unsichtar? Warum gab es noch keinen „Asexy Queer Block“ beim transgenialen CSD?

Asexuelle stoßen immer wieder auf Unverständnis, auch innerhalb der Queerszene, oder vielleicht sogar grade dort. Als jemand dier* sich viel in queerfeministischen Kontexten aufhält, schien es mir unmöglich keine Sexualität zu wollen… dafür hatten doch so viele Frauen und Queers vor mir gekämpft und dafür hatte auch ich gekämpft: für eine selbstbestimmte Sexualität, für mehr queerfeministische Pornos, für Sexparties, Polyamory und die Möglichkeit so viel Sex zu haben wie ich will, ohne dafür komisch angeguckt zu werden. Doch was passiert, wenn jemand bei all dem nicht mitmachen kann oder will? Was wenn soviel Sex haben wie ich will bedeutet, dass ich gar keinen will?
Die häufigste Reaktion auf solch ein Outing ist ein Suchen nach Ursachen, wobei die Klassiker sind: „Du hast bestimmt einfach noch nicht den_die Richtige_n gefunden“, „vielleicht hast du traumatische Erfahrungen in deiner Kindheit gemacht, die du erst verarbeiten musst“ oder „warte ab, dass ist einfach nur eine Phase und geht bestimmt wieder vorbei“. Die wenigsten Queers werden wohl jemals innerhalb queerer Kontexte danach gefragt worden sein, was ihnen eigentlich schlimmes passiert ist, dass sie nicht heterosexuell geworden sind, oder das sie sich keine Sorgen machen müssen, weil das bestimmt einfach nur eine Phase ist, die auch wieder vorbei geht. Obwohl innerhalb queerer Zusammenhänge Natürlichkeitsmythen in Bezug auf Sexualität und Körper kritisch hinterfragt werden, wird auch dort davon ausgegangen, das ein Bedürfnis nach Sexualität etwas naturgegebenes ist, dass alle haben. Im selben Atemzug, in dem Normen kritisiert werden, werden neue erschaffen. Und denen haben sich auch die anzupassen, die nicht asexuell sind. Eine queere, in Berlin lebende Person beschreibt die Situation für sie wie folgt:
„Normen und Druck bestehen dort, wo man gezwungen ist, die unglaublich hippe, tolle, coole Sexualität zu führen, die einem alle vorspielen. Nicht jede_r möchte immer, überall, total aufregenden Sex haben. Unsicherheiten sind in der Szene verpönt und darüber wird auch nicht geredet. Alle sind so cool und bad-ass wie immer, was unglaublich viel Druck aufbaut.“

Das hat dann für mich auch nichts mehr mit Sex-positiv sein zu tun. Denn wenn Sex Positive Aktivist_innen fordern, allen Menschen unabhängig von ihrer biologischen, sozialen oder psychologischen Geschlechtszugehörigkeit sexuelle Freiheit zuzugestehen und die Berechtigung aller sexuellen Orientierungen zu akzeptieren, dann ist Asexualität ist eine davon! Was ich mir wünsche ist respektiert zu werden, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Ich möchte mich fragen dürfen „Was will ich?“ anstelle von „Was sollte ich wollen?“. Und manchmal ist das einfach ein riesiges Stück Schokoladentorte und ein Bett ganz für mich allein.

„I don’t want to have sex. I don’t want to have a lover. I am not an asexual person, but at the moment this is how it is. Deciding to be single for a while has actually been one of the most self-loving things I have done for myself this past year.“ ( Laura Brightwell, lipstickterrorist.wordpress.com )