Archiv für Dezember 2014

Asexualitätsinklusive Sexualaufklärung

Asexualitätsinklusive Sexualaufklärung
Übersetzung des Infoblatts are:uk asexual resources & education „Asexual Inclusion Sex Ed“ (http://www.are-uk.com/resources/sexedleafletgrey.pdf): Anne Liebeck

Willst du das Thema Orientierung/Asexualität während der Sexualaufklärung ansprechen?
Ja! Obwohl viele Menschen heterosexuell sind gibt es auch eine Menge, auf die das nicht zutrifft. Neben der Isolation, die viele sexuelle Minderheiten erfahren, ist die Unsichtbarkeit ihrer Orientierung ein großes Thema für Asexuelle.
Teenagern Unterstützung und Informationen zu geben kann ihnen eine Orientierungshilfe bieten auf ihrer Suche und liefert ihnen einen Begriff um ihre Erfahrungen zu beschreiben.
Die Medien, ihre peers und viele Erwachsene betonen oft, dass Teenager sexuelle Anziehung erfahren werden und sollen – etwas, dass Asexuelle nicht tun. Die Pubertät kann eine schwierige Zeit für asexuelle Jugendliche sein, weil ihre Freund_innen Gefühle entwickeln und Erfahrungen machen, die sie nicht teilen.
Das kann dazu führen, dass sie sich alleine fühlen und als ob etwas mit ihnen nicht stimmt. Informationen über Asexualität zu erhalten und die Bestätigung zu erfahren, dass sexuelle Anziehung kein universales Phänomen ist kann den Druck mindern und bewirkt, dass sich asexuelle Jugendliche nicht isoliert fühlen. Und es verhindert, dass sie schlussendlich Dinge tun, mit denen sie sich unwohl fühlen.
Über sexuelle Orientierungen zu sprechen und Asexualität als „Option“ zu inkludieren bestärkt sie darin, dass ihre Erfahrungen valide und normal sind und erlaubt ihnen einen gesünderen Blick auf ihre eigene Sexualität.

Tipps für Projekte/Sexualaufklärung:

Anstatt zu sagen „irgendwann werdet ihr alle Sex haben“ sagt „ viele von euch werden Sex haben, aber das gilt nicht für jede_n“.
Wird Sex als etwas beschrieben, das nötig ist um eine Beziehung zu führen setzt es diejenigen, die das nicht brauchen unter Druck und schadet ihnen. Stattdessen beschreibt Sex als etwas, dass „oft, aber nicht immer wichtiger Bestandteil einer Beziehung ist.“
Vermeide Aussagen die implizieren dass die Abwesenheit sexueller Anziehung etwas ungesundes sei.
Sei dir darüber bewusst, dass es Schüler_innen in deinem Projekt gibt, die nicht verstehen was du meinst wenn du von „sexueller Anziehung“ sprichst.
Achte auf Neckereien die auf sexueller Leistungsfähigkeit basieren – asexuelle Menschen werden oft als prüde o.ä. bezeichnet oder beschimpft.

Was sind die wichtigsten asexuellen Problematiken?
Asexualität existiert und ist eine „echte“ sexuelle Orientierung. Romantische Beziehungen sind möglich und valide auch ohne Sex.
Asexuell zu sein bedeutet nicht, dass man keine Beziehungen führen kann oder dass Asexuelle kein Interesse an romantischen Beziehungen haben.
Nicht jede_r erfährt romantische Anziehung. Dies wird als Aromantik bezeichnet. Menschen können aromantisch sein ohne asexuell zu sein.
Nicht bei jeder_m stimmt die romantische mit der sexuellen Anziehung überein.
Beziehungen, die nicht romantischer Natur sind (also platonisch) können genauso wichtig und bedeutsam sein wie romantische.
Heterosexualität ist die häufigste Orientierung, aber dies bedeutet nicht, dass sie besser oder „normaler“ ist.
Bei Orientierung geht es um Anziehung und nicht um Verhalten. Asexuelle Menschen können aus verschiedenen Gründen, die nichts mit sexueller Anziehung zu tun haben, Sex haben. Auch wenn sie Sex haben widerlegt das nicht ihre Asexualität.
Es ist völlig in Ordnung keinen Sex haben zu wollen und das ist besonders wichtig zu wissen für Asexuelle, die das Gefühl haben ihren Partner_innen etwas beweisen zu müssen obwohl sie sich damit unwohl fühlen.

Einige wichtige Begriffe:
Asexuell: Eine Person, die keine sexuelle Anziehung verspürt.
Demisexuell: Personen die generell keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen verspüren, es sei denn es besteht eine intensive emotionale (nicht unbedingt romantische) Bindung. Das ist nicht das gleiche wie bis zu einem bestimmten Punkt in der Beziehung mit dem Sex zu warten.
Grey-asexuell (wörtl. Grau-asexuell): Grau-Asexuelle sind Menschen, die sich irgendwo im Bereich zwischen sexuell und asexuell fühlen.
Romantische Orientierung: Die „Richtung“ romantischer Anziehung. Für viele Menschen ist das die gleiche Richtung wie die sexuelle Anziehung, aber es kann sich auch unterscheiden.
A/hetero/homo/bi/pan-romantisch: Präfixe die benutzt werden um über romantische Orientierungen zu sprechen. Beispiel: homoromantische_r Asexuelle_r (ein Mensch, der sich in Menschen des gleichen Geschlechts verliebt aber keinen Sex mit ihnen haben möchte).
Platonisch: Eine Beziehung, die nicht romantischer oder sexueller Natur ist. Eine Beziehung die keinen Sex involviert ist nicht automatisch platonisch.
queerplatonisch: Begriff der benutzt wird um eine Beziehung zu beschreiben die genauso viel Gewicht und Tiefe hat wie eine romantische Beziehung, aber platonisch ist.
genderqueer: Eine genderqueere Person ist eine Person deren Geschlechtsidentität nicht in der Frau/Mann – Binarität verortet ist. Also können sie sich weder männlich noch weiblich oder wie beides fühlen beziehungsweise zwischen den Polen wandern.