1st Non-Monogamies and Contemporary Intimacies Conference

Yay, eine Konferenz zu nicht-monogamen Beziehungsformen, in der auch Asexualität Raum hat!!!

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1st Non-Monogamies and Contemporary Intimacies Conference (25.–27. September 2015)

Forschung in verschiedenen Feldern (z.B. Soziologie, Psychologie, Anthropologie und Zeitgeschichte) hat gezeigt, dass sich traditionelle Konzepte und Praktiken in Bezug auf Ehe, Familie, Sexualität und Intimität im Laufe der letzten Jahrzehnte rapide verändert haben. So kam es zu radikalen Veränderungen im Umgang mit Themen wie Sexualität, Geschlechterrollen, Single-Eltern, Familienstrukturen, Empfängnisverhütung, Schwangerschaftsabbruch und Scheidung. Dies gilt auch für entsprechende Praktiken und Lebensweisen. Viele dieser Bereiche stehen in enger Verbindung mit Veränderungen in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontexten, wie etwa der gleichgeschlechtlichen Ehe.

Beim Thema „Nicht-Monogamie“ sind diese Veränderungen oft von negativen Darstellungen begleitet. So wird Nicht-Monogamie etwa als „Untreue“ oder „serielle Monogamie“ bezeichnet, oder auch als „Scheitern“ in Bezug auf „normale“ Muster, nach denen Intimität abzulaufen hat. Solche Betrachtungsweisen privilegieren das idealisierte monogame Paar, das als inhärent „besser“ dargestellt wird. Das vorherrschende wissenschaftliche Paradigma legitimiert und stärkt die Normativität von monogamen Beziehungsformen. Dabei lässt die Wissenschaft oft die Existenz von offenen, einvernehmlichen Formen von nicht paarbasierten Beziehungen sowie aromantischen und/oder asexuellen Formen von Intimität außer Acht. Außerdem konzentriert sich die nur begrenzt vorhandene Forschung zu einvernehmlichen nicht-monogamen Beziehungspraktiken vor allem auf englischsprachige und sozio-ökonomisch privilegierte „weiße“ Kontexte.

Allerdings entstehen zunehmend auch kritische Diskurse über normative Sexualität und Intimität (und wie diese miteinander interagieren); diese stellen sowohl Lebensweisen, die im Kern der Geschlechterordnung stehen, in Frage, als auch hetero-mono-normative Institutionen und Praktiken im Allgemeinen.

Themen: Wir möchten mit dieser Konferenz Austausch und Überschneidungen zwischen Forschung, Aktivismus und anderen sozialen Interaktionsformen und Ausdrucksmöglichkeiten ermöglichen. Dabei sollen Themen wie zum Beispiel (aber nicht nur nur) die folgenden behandelt werden:

gelebte Erfahrungen mit Polyamorie, Swingen, offenen Beziehungen und anderen einvernehmlichen nicht-monogamen Beziehungsformen;
Veränderungen in Konzepten und Repräsentationen von Paarbeziehungen sowie damit verbundene Herausforderungen;
Spannungen und Veränderungen in akademischen Definitionen und Auffassungen von Partner*innenschaften, Freund*innenschaften, Verwandtschaften und anderen Formen zwischenmenschlicher Verbindungen;
Besonderheiten von kulturellen Praktiken und Werten in Bezug auf kontemporäre Intimitäten in Ländern, die nicht Teil des anglo-amerikanischen Raums und/oder des globalen Nordens sind;
Überschneidungen von nicht-monogamen Praktiken/kontemporären Intimitäten mit race, Gender/Sex/Geschlecht, sexueller Orientierung, Fetischen und BDSM, Kultur, Behinderung und Bildung;
nicht-sexuelle und/oder nicht-romantische Beziehungen und Identitäten, zum Beispiel Asexualität und Aromantik;
Histories, Herstories und Queerstories: Geschichten von Nicht-Monogamien und kontemporären Intimitäten zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten;
Aktivismus und Community-Building rund um nicht-monogame Beziehungsformen;
Unterschiede und Überschneidungen zwischen einvernehmlichen und nicht einvernehmlichen nicht-monogamen Beziehungsformen sowie damit verbundene Machtverhältnisse;
rechtliche und finanzpolitische Bedeutung von und Herausforderungen rund um Nicht-Monogamien;
Veränderungen in Bedeutungen und Praktiken von Paarbeziehungen;
Rollen von Technologien in Veränderungen in sozialen Beziehungen und Intimitäten;
Diskurse über die (z.B. genetische oder evolutionäre) „Naturgegebenheit“ von Monogamie oder Nicht-Monogamie;
Überschneidungen von Nicht-Monogamien mit feministischen Theorien, LGBTI-Studien, Gender und Queer Studies, Post-/De-Kolonialismus und anderen sich gegen Unterdrückung richtenden Strömungen;
Sexarbeit, (Mainstream- oder anderweitige) Pornografie und andere kapitalistisch-sexuelle Überschneidungen in Bezug auf Intimitäten;
(öffentliche) Gesundheitswesen und Nicht-Monogamien;
Verbindungen zwischen Religion und hegemonialen Formen von Nicht-Monogamie;
neue Normativitäten und Widerstände – Polynormativität und Beziehungsanarchie, Neoliberalismus und politische Widerstände;
einvernehmliche nicht-monogame Intimitäten und Herausforderungen in psychologischer Beratung und Psychotherapie;
Repräsentationen von Monogamien und/oder Nicht-Monogamien in Literatur, Kunst, Film, Fernsehen, Fotografie, Theater, Musik oder anderen Medien.
Unser Ziel ist es, zum Aufbau von Gemeinschaften innerhalb und außerhalb der Wissenschaft sowie über Themenbereiche und Disziplinen hinweg beizutragen und dabei traditionelle Modelle der hegemonialen Wissensproduktion im globalen Norden zu durchbrechen. Daher freuen wir uns nicht nur auf wissenschaftliche Beiträge und Panels, sondern auch auf Diskussionsrunden, Filmvorführungen und -diskussionen, Kunstinstallationen, Beiträge mit aktivistischen Hintergründen sowie andere Formate.

Sprache und Zugänglichkeit: Aus logistischen Gründen wird während der Konferenz Englisch als Verkehrssprache dienen. Daher bitten wir um die Einreichung von Abstracts in englischer Sprache. Wir freuen uns allerdings auch über Abstracts in anderen Sprachen, sofern sie zusätzlich auch auf Englisch eingereicht werden. Wir empfehlen, Präsentationen auf der Konferenz in Englisch abzuhalten, dies ist jedoch nicht verpflichtend. Der Veranstaltungsort ist rollstuhlfreundlich. Bei Bedarf an Dolmetschung in Gebärdensprache bitten wir um eine kurze E-Mail. Leider können wir nicht garantieren, dass eine solche Dolmetschung organisiert werden kann, werden diesbezüglich aber unser Möglichstes tun. Weitere Informationen (in Englisch) zur Zugänglichkeit der Konferenz sind auf unserer Website zu finden.

Einreichungen: Für Einzelbeiträge bitten wir um Abstracts von bis zu 250 Wörtern, für Panels von bis zu 500 Wörtern. Die Abstracts können bis spätestens 31. Mai auf der Plattform eingereicht werden. Vor dem Einreichen sind bitte die Anweisungen auf unserer Website zu beachten. Bei Fragen oder technischen Problemen sind wir unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar: nmciconference@gmail.com